Theaterabo, zweiter Abend

Seit Beginn dieser Saison bin ich Abonnent des Staatstheaters Nürnberg. Das gemiachte Abo war ein Geburtstagsgeschenk, über das ich mich noch immer und vor allem immer wieder sehr freue.

Nachdem der erste Abend einem sehr abwechslungsreichen Ballet-Dreiklang gehörte und meine Live-Ballet-Premiere darstellte, war diese Woche der Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ in der Inszenierung von Johannes von Matuschka dran. Die Theaterkritik beim BR beschreibt das Theatererlebnis ganz trefflich, wenn auch die Besetzung bei der Premiere eine etwas andere war. Wir jedenfalls fühlten uns durch diese gelungene Adaption gut unterhalten und trotz des Western-Settings und die Kostüme nur ganz selten an den „Schuh des Manitu“ erinnert.

Bei unserem nachsten Theaterabend im Januar wird dann „Der nackte Wahnsinn“ auf dem Programm stehen, die deutsche Fassungs des Stückes „Noises Off“ von Michael Frayn.

Der Werbespot mit dem Opa

Die meisten werden diesen hoch-emotionalen EDEKA-Weihnachtswerbespot wohl bereits gesehen haben, in dem ein alter Mann seinen Tod vortäuscht, um seine in die ganze Welt zerstreute Familie zum Weihnachtsfest einmal wieder bei sich zu Hause versammeln zu können. Es gibt wohl viele Gründe, ihn zu kritisieren. Doch aus Werber-Sicht hat man vermutlich „alles richtig gemacht“, der Film ist ein viraler Erfolg in den sozialen Netzwerken. Für sich genommen mag der Werbespot ein gefühlsschwanger aufgemachter Kurzfilm mit der altbekannten „Driving Home for Christmas“-Message sein, aber eigentlich bleibt bei mir vor allen eine Botschaft der absoluten Verzweiflung übrig. Wer würde denn sonst zu der drastischen Maßnahme greifen, seinen eigenen Tod vorzutäuschen? Und irgendwie spiegelt sich diese Verzweiflung auch in den Bemühungen der Werber wider. Klar, der messbare Erfolg der Reichweite ist jetzt wohl vorhanden, aber man sah sich wohl nicht in der Lage, diesen Erfolg auch ohne solch eine verzweifelte Maßnahme der maximalen Gefühlsstrapazierung hinzubekommen. Ein Schock-Effekt, der an Benetton-Werbung

Was mich an dem Spot am meisten stört, ist das EDEKA-Logo am Ende. Denn außer „heimzukommen“ sollen wir ja nach Meinung der Werber und des Lebensmittel-Händlers auf keinen Fall das Konsumieren, von den Werber natürlich liebevoll „Genießen“ genannt – vergessen. Ich frage mich allerdings, wem in einer Situation wie der im Werbespot dargestellten noch den Sinn nach Genießen stünde. Ich überlege es mir nun jedenfalls zweimal, ob ich wieder einmal zu Edeka gehe.

Die dunkle Seite der Macht

Es gibt kein Entkommen. Die imperialen Sturmtruppen lauern derzeit hinter jeder Ecke. Am 17. Dezember kommt der neue Star Wars Film in die Lichtspieltheater und die Werbekampagne für „Das Erwachen der Macht“ nimmt derweil galaktische Ausmaße an. Die „Space Opera“ um den alten Krieg zwischen Gut und Böse findet also eine Fortsetzung. So weit, so absehbar. Als Heranwachsender war auch ich ein großer Fan der Märchenwelt von George Lucas, doch die letzten drei, als Prequel-Trilogie bezeichneten Filme fand ich eher abschreckend. Vermutlich war ich mit Anfang Dreißig aber auch einfach der Kern-Zielgruppe entwachsen.

Doch eine Sache stößt mir beim aktuellen Star Wars Kult ein wenig auf: Es scheint mittlerweile akzeptabel zu sein, sich als Star Wars Fan zur sogenannten „dunklen Seite“ der Macht zu bekennen. Als Google-Nutzer etwa kann man sich zwischen der „hellen“ und „dunklen“ Seite entscheiden, und bekommt dann je nach Entscheidung unterschiedliche visuelle Effekte präsentiert. Auch das Bundesministerium für Verkehr und Infrastuktur (BMVI) bediente sich in einer Kampagne zur Steigerung der Akzeptanz für Fahrradhelme Charakteren aus dem galaktischen Imperium. Zu recht hat das Ministerium für diese verunglückte Kampagne viel Spott kassiert.

Die „dunkle Seite der Macht“ aus dem Weltraummärchen und ihre Sturmtruppen sind quasi im Mainstream angekommen. Das finde ich immer wieder verwunderlich. Für mich waren Darth Vader, der galaktische Imperator und seine imperialen Generäle und Sturmtruppen immer die Verkörperung des Bösen, was sie ja zum Beispiel auch mit der Zerstörung des Planeten Alderaan auf Knopfdruck auf grausamste Weise bewiesen haben. Zwei Milliarden Bewohner des Planeten wurden im Rahmen einer „Kleinen Machtdemonstration“ binnen Sekunden ausgelöscht. An Kaltblütigkeit und Skrupellosigkeit wohl nicht zu überbieten. Nicht nur optisch weisen die Sturmtruppen und das Imperium also Parallelen zur Diktatur der Nazionalsozialisten in Deutschland auf. Auch die Herrschaftsstrukruren oder etwa die Aufmärsche des Imperiums lassen an NSDAP-Parteitage oder andere absolutistische Regimes erinnern. Die Parallelen sind übrigens gewollt, wie man einem Interview mit dem Star Wars Kostümbildner John Mollo entnehmen kann, gefiel Lucas die Idee, den Bösewichten in seinem Märchen ein faschistisches Anlitz zu geben, während die Rebellen eher an die Helden des Wilden Westens erinnern sollten.

Star Wars ist ein Märchen, man sollte das also vermutlich nicht überbewerten. Doch auch bei anderen Mörchen würde ich mich doch wundern, wenn sich jemand mit „dem Bösen“ an sich identifiziert und gemein macht, wie es etwa das BMVI gemacht hat. Denn wer würde schon mit dem Bösen Wolf aus Rotkäppchen symphatisieren? Doch wohl nur ein Sexualstraftäter, wenn man die Originalfassung des Märchens mit der „Moralerklärung“ des Autors Charles Perrault zur Hand nimmt.

James Bond 007: SPECTRE

Die Ankündigung des 24. „offiziellen“ Films der James-Bond Reihe sorgte bei mir für eine gewisse Vorfreude. Daran dürfte vor allem der gute Eindruck, den Skyfall hinterlassen hat, verantwortlich gewesen sein. Bereits am 7. November war es soweit und wir haben einmal das kleine Nachbarschaftskino „Roxy Renessaince Cinema“ im Nürnberger Süden getestet. Dort werden vorwiegend Filme im Originalton gezeigt, und die Synchronisation von „Skyfall“ hat bei mir einen teilweise negativen Eindruck hinterlassen. Bei unserem Besuch am vorletzten Freitag war das Kino für die „SPECTRE“-Vorführung zum ersten mal ausverkauft, wie die Betreiber stolz verkündeten.

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Die Anschläge von Paris – und die irren Reaktionen

In Paris begehen (nach bisherigen Kenntnissen) mehrheitlich französische Verbrecher widerwärtige Terroranschläge und wenige Stunden später beschreibt der französische Präsident dies als Kriegserklärung, obwohl ein solcher Krieg schon längst in Gange ist. Denn Frankreich greift ja bereits seit längerem, gemeinsam mit den USA, sogenannte „Ziele des IS“ in Syrien und im Irak an. Dank des Kriegs der USA gegen Saddam Husseins Irak gibt es dieses aus dem irakischen Widerstands entstandene Gebilde „IS“. Nach den Anschlägen in Paris werden nun noch stärker „Ziele des IS“ bombardiert. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie viele zivile Opfer es wieder geben wird (denken wir an die vielen Opfer bei dem mit amerikanischer Beteiligung in Afghanistan zerstörten, von den Ärzten ohne Grenzen betriebenes Krankenhaus) Weiterlesen

Abnehmen als Wettkampf [Update: jetzt mit noch mehr Links!]

Bereits zum zweiten mal in diesem Jahr nehme ich am sogenannten Abnehmduell im 321blog teil. Ich hatte vor Jahren auch schon an früheren Runden teilgenommen, allerdings mit wenig Erfolg. Doch dieses mal habe ich das Projekt „Ran an den Speck“ ernsthafter in Angriff genommen. Beflügelt auch von der täglichen Radfahrt zur Arbeit fiel mir das gar nicht schwer, weitere Motivation lieferten zwei Bücher zum Thema, die ich dank eines Tipps von Holgi entdeckt habe: „Mach das! Die ultimative Physik des Abnehmens“ von Martin Apolin sowie „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann. Beides keine Diatbücher im klassischen Sinn, aber beide halfen, alte Glaubenssätze über Bord zu werfen. Und so schaffte ich es bei dem ersten Abnehmduell sogar auf den zweiten Platz, der Abstand zum Gewinner betrug nur ein paar Promille, nach Gewicht hatte ich sogar mehr abgenommen.

Vor zwei Wochen startete nun ein weiteres Duell, wobei die Bezeichnung ein wenig irreführend ist, denn es gibt deutlich mehr als zwei Teilnehmer. Während das Sommerduell von April bis September dauerte, ist diese neue Runde auf nur 10 Wochen beschränkt und endet in der Weihnachtswoche. Mal Segen, ob es wieder so spannend wird, ich bin jedenfalls hoch motiviert.

„display: block“ saves the cat

02symbolbildZum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, die Front-End Web Development Konferenz „Fronteers“ in Amsterdam zu besuchen. Sie startete bereits am Mittwoch abend mit kurzen Lightning Talks während der sogenannten „Jam Session„. Herausragend hier war sicherlich die „Rap Battle“ zwischen ppk und jaffathecake zur rasanten Entwicklung von Web Technologien – wobei leider nur Jake Archibald gereimt hat. Auch der MC der Fronteers 2015, Bruce Lawson hatte seinen Standpunkt bereits im Blog dargelegt. Eine durchaus spannende Diskussion. Die Headline zu diesem Artikel stammt übrigens von  Oleg Mokhov aus seinem Lightning Talk „styling books“.

01-tuschinski-innenDie Konferenz selbst fand im 1921 eröffneten Tuschinski-Theater statt. Das Kinogebäude ist ein wahrhaft beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Doch die Sessions waren nicht weniger interessant.  Beispielhaft möchte ich hier Rachel Andrews Vortrag „But what about old browsers?“ über moderne CSS-Layout-Techniken (Slides gibt es auf ihrer Website), Anna Debenhams Beitrag zu Front-End Style Guides oder Jake Achribalds Praxisbeispiele zur Performance von Javascript Apps nennen – und natürlich die Closing Keynote von Chris Heilmann (Of Gaps, Fillers and Empty Spaces…). Videos aller Talks soll es laut Konferenz-Veranstalter Mitte November geben.

03feierabendbiertjeBei dem eng gepackten Konferenzprogramm gab es immerhin abends noch die Gelegenheit, Amsterdam ein wenig zu erkunden. Mein letzter Besuch in dieser tollen Stadt war 1999.  Zwar ist das Zentrum Tag und Nacht eng gepackt voller Touristen, doch nur ein, zwei Straßen hinter dem Trubel geht es meist eigentlich deutlich ruhiger zu, Amsterdam ist also immer noch einen Besuch wert – und wer weiss, vielleicht bin ich ja bei der Fronteers 2016 auch wieder dabei!

 

 

Verheerender Bombenanschlag auf MSF-Krankenhaus in Kunduz

Wenn ich in Spendenfragen um meine Meinung gefragt werde, empfehle ich immer die Ärzte Ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). MSF stellt in vielen Kriegs- und Krisengebieten weltweit mediznische Notversorgung bereit. Derzeit ist MSF zum Beispiel auch auf dem Mittelmeer aktiv, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten.

Am Samstag, den 3. Oktober 2015 wurde ein von MSF betriebenes Krankenhaus im afghanischen Kunduz von US-Streitkräften bombardiert. Die Existenz und Position des Krankenhauses war den Konfliktparteien bekannt. Die Bombardierung dauerte auch nach Kontaktaufnahme von MSF den Befehlshabern in Kabul und Washington noch 30 Minuten lang an. Es starben wohl mindestens 22 Menschen, darunter 12 MSF-Mitarbeiter. Viele Mitarbeiter und Patienten wurden verletzt. Siehe hierzu die Pressemitteilung von MSF. Die USA sprachen wohl wieder einmal von „Kollateralschäden“ und einem Versehen.

Letzte Woche hat sich US-Präsident Obama im Anschluss an den Amok-Lauf in Oregon wieder einmal für ein Umdenken bezüglich der Waffengesetzgebung ausgesprochen. Nicht erst seit dem gezielt erscheinenden Angriff auf das Krankenhaus in Kunduz (MSF spricht sogar von einem Kriegsverbrechen) wäre solch ein Umdenken wohl auch in der amerikanischen Außenpolitik und Militärstrategie dringend notwendig.

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