Sommerfestival der Kulturen

Unverhofft kommt gut: gestern abend wollte ich eigentlich nur von der Haltestelle Rathaus durch die Stadt schlendern, auch verknüpft mit dem Hintergedanken der Nahrungsaufnahme, da tat sich auf dem Marktplatz ein musikalisches und kulinarisches Spektakel vor mir auf: das Sommerfestival der Kulturen. Begleitet von den Klängen der kubanischen A-Capella-Truppe „Vocal Sampling“ inspizierte ich die Stände, aß sauscharfes thailändisches Curry mit Tofu, trank billigen (günstigen) argentischen Rotwein und ließ mir sehr bereitwillig Flyer vom Freien Radio für Stuttgart sowie der Stuttgarter Esperanto-Gruppe in die Hand drücken.

Angetan von dem bunten Treiben machte ich mich auf die Suche nach weiteren Programminformationen, denn die Kubaner würden ja kaum den ganzen Abend auf der Bühne stehen. Freudig stellte ich fest, dass als nächstes ein Auftritt von Wladimir Kaminer anstand, die Worte „Russendisko“ und „Rotfront“ schwirrten in diesem Zusammenhang auch umher, es war also nicht ganz klar, was genau da nun kommen würde. Der Soundcheck von Rotfront klang jedenfalls schon sehr vielversprechend.

Auftritt Wladimir Kaminer: trotz des bevorstehenden Anpfiffs in der EM-Halbfinalbegegnung Russland – Spanien las er eine gute Stunde, unterbrochen durch äußerst kurzweilige Schwänke und anderen Erzählungen. Ich kannte Kaminer seither nur aus dem Fernsehen und von Hörbüchern, doch auch live konnte er durchaus überzeugen. Das Ende seines Auftritts (ob es ihn doch in Richtung Fernseher zog?) ging natlos über in den Auftritt des „Emigrantski Raggamuffin Kollektiv“ Rotfront aus Berlin (aus Berlin!), sie begleiteten Kaminer quasi ein Stück lang.

Wladimir Kaminer gemeinsam mit Rotfront

Danach hüpfte der Marktplatz nur noch zu den mitreißenden, russisch-kosmopolitischen Klängen des „Kollektivs“, während nebenan ein Liveticker an eine Zeltwand den Untergang der russischen Nationalmannschaft gegen Spanien verkündete (nur die Spielstände). Die Band konnte den Liveticker zum Glück nicht sehen, so blieb die Stimmung nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne bis zum Schluss bestens…

So hatte ich einen rundum lustigen, unterhaltsamen, sehr entspannten Abend auf dem Stuttgarter Marktplatz, machte noch die Bekanntschaft einer freundlichen älteren Dame aus dem Stuttgarter Westen, die auch alleine auf dem Fest war und – wie wir auch – im Juli nach Schweden fliegt. Sie war ein wenig enttäuscht, dass auf dem Fest nur südliche und östliche Kulturen vertreten waren und keine Skandinavier. Schöne Grüße von dieser Stelle aus!

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