Die Ratten der Lüfte

…so werden sie ja gerne bezeichnet, unsere Straßentauben. Toni Mahoni hat heute ein Plädoyer für die Taube gebracht, welches mich recht nachdenklich stimmte. Ich gebe zu, ich fühle mich unwohl wenn mir z.B. im U-Bahnhof die Tauben um die Ohren fliegen. In Jugendjahren war ich („Doc-Martens“-bewehrt) manchmal versucht, in der Fußgängerzone einfach mal auf so ein aufdringliches „Mischdviech“ draufzutreten, was ich aber nie getan hätte. Irgendwie eklig finde ich sie noch immer, hat man doch mal von der Taubenzecke gehört oder auch von bösen, bösen Flöhen, von denen die Tauben befallen sind und welche schlimme Krankeiten übertragen können. Ach ja? Laut Wikipedia sind zumindest keine Infektionskrankheiten bei Menschen durch Tauben nachgewiesen. Den Begriff „Ratten der Lüfte“ (hab mir mal eingebildet, ihn kreiert zu haben, aber das haben andere sicher auch – vor mir – getan) finde ich eigentlich eher unpassend, er tut den Ratten unrecht.

Ein Recht auf Leben (bitte lesen) haben Tauben dennoch. Nicht erst Tonis Beitrag hat mir klar gemacht, dass Tauben – wie alle anderen Lebewesen auch – unseren Respekt verdienen. Dass sie in unseren Städten so zahlreich sind ist wohl unsere eigene Schuld, denn für Taubenfeinde wie den Turmfalken ist dort ja schon längst nicht mehr genügend Platz.

Wobei ich mit dem Recht auf Leben wohl nicht so weit gehen würde wie die „Tierrechtsorganisation“ PETA[1]. Ich gestehe den Menschen durchaus Fleischverzehr zu, auch wenn ich die Auswüchse der Massentierhaltung verachtenswert finde. Doch wer gibt PETA das Recht, zu entscheiden was man essen darf (Pflanzen) und was nicht (Tiere). Ich kann nicht beurteilen, ob einen Kartoffel weniger leidet als ein Schwein, auch wenn das Schwein sein Leiden unzweifelhaft besser ausdrücken kann. Und auch in der Pflanzenproduktion herrschen anprangerungswürdige Zustände. Eine glückliche deutsche Kleingärtnertomate hat sicher ein besseres Leben als eine Wassertomate in einem holländischen Gewächshaus. Deshalb schmeckt sie uns ja auch besser. Für PETA aber bitte in Zukunft nur noch selbst eingesammeltes Fallobst!

Wie komme ich nun von den Stadttauben zum diesem Thema? Nun, wenn es um Respekt der Natur gegenüber geht, muss ich immer an Tom Brown, Jr. denken, einen US-amerikanischen „Naturalisten“ und Fährtenleser, von dem ich einige Bücher gelesen habe, die mich sehr beeindruckt haben. Tom Brown hatte – so die Geschichte – als siebenjähriger das erste Mal Kontakt mit einem alten Apachen-Scouts namens „Stalking Wolf“, welcher ihn in den nächsten 13 Jahren unterrichtete. Wenn man Toms Bücher liest, bekommt man den Eindruck, dass man kaum noch naturverbundener sein kann als er. Und sehr stark vermittelt er einem den Gedanken, dass in der Natur alles verbunden ist. Das klingt nun schon recht esotherisch – und neben den beeindruckenden Geschichten über erfolgreiche Verbrecherjagden oder der Suche nach vermissten Kindern hat Tom Brown in der Tat auch spirtuelle Bücher geschrieben. Zu diesen fällt mir der Zugang deutlich schwerer. Liegt wohl an meiner eigenen Skepsis. Jedenfalls hat mich dieser „Überlebenskünstler“ überzeugt, dass es nicht Unrecht ist, ob man Fleisch verzehrt, aber wie man es tut. Wenn Tom Brown schreibt, dass er „Roadkill“ zubereitet, dann nicht, weil er keinen Zugang zu noch frischerem Fleisch gehabt hätte (er hätte sich vermutlich ein Reh mit blossen Händen erlegen können), sondern weil er dem Tod des überfahrenen Tieres einen Sinn geben wollte.

Ich bekomme für diesen Aufsatz keinen richtigen Schluss hin. Der Gedanken sind zu viele – und diese sind zu ungeordnet. Ausserdem ruft die Arbeit. Aber ich habe immerhin die Erkenntnis gewonnen, dass ich gerne mal gegrillte Taube probieren würde. Selber fangen wäre aber vermutlich Wilderei…

[1] diese Woche war in der Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ) zu lesen, dass PETA als nächsten „PR-Gag“ nach den Hühner-Holocaust-Anzeigen einen Menschen grillen möchte. Die Leiche dazu soll aus den „Beständen“ des Körperwelten-Inszenierers von Hagen kommen. Ich muss nochmal im Altpapier nach dem Artikel suchen, auch wenn ich keine Werbung für solche Aktionen machen möchte. Die Süddeutsche Niederlassung von PETA befindet sich in unserem Landkreis, weshalb die Meldung über den Lokalteil der LKZ wohl noch nicht hinaus gekommen ist.

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