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Das war das Barcamp Nürnberg 2026 – wo ist unser digitales Lagerfeuer?

Nach langer Pause war ich am vergangenen Wochenende endlich wieder auf einem Barcamp – diesmal direkt vor der Haustür in Nürnberg. Und nicht nur ich hatte Pause gemacht: Auch das Barcamp Nürnberg fand erstmals seit längerer Zeit wieder statt.

Ich dürfte einer der Teilnehmer mit dem kürzesten Anfahrtsweg gewesen sein. Insgesamt war die Teilnehmerzahl recht überschaubar, aber immerhin hatten wir unter anderem Teilnehmende aus Hamburg, München, Stuttgart, Konstanz und Regensburg zu Gast in der Frankenmetropole. Einige davon kannte ich schon lange, zumeist von früheren Barcamps, andere eher flüchtig. Gerade die überschaubare Teilnehmerzahl hatte dabei auch ihren Reiz: Im Laufe des Wochenendes kam man tatsächlich mit fast jedem und jeder einmal ins Gespräch.

Meine Sessions am Samstag waren:

You Gotta Fight For Your Right To Barcamp (Gerhard)
Wir redeten vor allem darüber, was für uns und per Definition ein Barcamp ausmacht und wie man die „Community Brand“ erhalten kann.

Sonne ernten im Home Office (Alex Schnapper)
Alex betreibt in seinem Garten mehrere Balkonsolar-Module und stellte sein Setup vor.

KI-Produktivitäts-Tricks (Tobias)
Tobias stellte seine Lieblingstools vor.

Missverständnis als Normalfall? Kommunikations-Hacks (Sabine)
Beim Tangram-legen per Fernanleitung haben wir erfahren, wie schwierig manchmal die vermeintlich einfachste Kommunikation sein kann.

Fitness-App entwickeln (Silke Vogel)
Silke hat sich mit Hilfe eines Chatbots einen Personal Trainer erstellt und möchte für diesen nun eine möglichst unabhängige App bauen, auch für unterwegs. Interessante Diskussion.

Online Tools & KI (Andreas Pilz)
Andreas stellte seine KI-Toollandschaft vor, zu finden auch hier.

Old but not Obsolete – Alte Macs (Jan)
Hier ging es vor allem darum, wie man mit dem OpenCore Legacy Patcher alter Mac-Hardware wieder neues Leben einhauchen und sie weiterverwenden kann.

Für eine „Werwolf“-Session fanden sich nach dem Abendessen leider nicht genügend Interessierte, so dass sich die Runde dann gegen 21 Uhr auflöste.

Meine Sessions am Sonntag

Einige Teilnehmer hatten für diesen Tag bereits andere Pläne, sodass die Runde noch einmal kleiner und auch die Sessionauswahl überschaubarer war:

Was tun für mehr Barcamp? (Gerhard)
Wir waren ja nicht sehr viele Leute auf diesem Barcamp, aber vielen lag es am Herzen, das Format Barcamp in seiner ursprünglichen Variante am Leben zu erhalten, unabhängig von Fachthemencamps. Dabei ging es auch um die Frage, wie man neben den „alten Hasen“ wieder mehr jüngere Leute für das Veranstaltungsformat interessieren könnte.

Fediverse 2026 (Rick)
– siehe weiter unten

Olympic-Klasse der White Star Line (Jan)
Jan stellte die Schiffe der Olympic-Klasse vor und erzählte uns allerlei little and not so little known facts. Sein Thema waren außerdem Atlantiküberquerungen per Passagierschiff im Allgemeinen und wie wenige Reedereien dies überhaupt noch anbieten. Seefahrt, eigentlich mein Thema. Aus den ursprünglich geplanten zehn Minuten für Jans Vortrag wurden allerdings deutlich mehr, sodass leider keine Zeit mehr blieb, anschließend noch über das Thema zu diskutieren.

Mein Fazit
Es hat mir wieder einmal viel Spaß gemacht, an einem Barcamp teilzunehmen. Eine eigene Session habe ich dieses Mal nicht angeboten, war aber kurz davor. Als Rick am Sonntag ankündigte, über das Fediverse reden zu wollen, hatte sich das zuerst einmal erledigt.

Denn an diesem Wochenende ist mir deutlich aufgefallen, wie sehr mir bei einem Barcamp Twitter fehlt. Nicht das heutige X, sondern das Twitter aus der Zeit meiner ersten Barcamp-Besuche: ein Ort, an dem während einer Veranstaltung nebenbei eine zweite Öffentlichkeit entstand. Man twitterte aus Sessions, kommentierte andere Sessions, entdeckte Leute im Nebenraum und bekam selbst dann etwas vom Barcamp mit, wenn man gar nicht vor Ort war.

Natürlich gibt es heute genügend andere Plattformen: Bluesky, Threads, LinkedIn und nicht zuletzt das Fediverse. Nur verteilt sich die damalige gemeinsame Öffentlichkeit inzwischen auf viele verschiedene Orte. Vielleicht ist gar nicht das Fehlen von Twitter das Problem, sondern das Fehlen eines gemeinsamen digitalen Lagerfeuers.

In Ricks Session erkundeten wir einige der Möglichkeiten, die das Fediverse inzwischen bietet. Technisch ist vieles von dem möglich, was ich mir wünsche – nur die gemeinsame Öffentlichkeit entsteht eben nicht automatisch mit. Was früher weitgehend an einem Ort stattfand, verteilt sich heute auf LinkedIn, Bluesky, Threads, das Fediverse und andere Plattformen. Das eigentliche Problem des Twitter-Exodus ist für mich deshalb weniger das Fehlen einer geeigneten Alternative als die Zersplitterung der früheren gemeinsamen Öffentlichkeit.

Hubert Mayer, der das mit dem regelmäßigen Bloggen deutlich ernster nimmt als ich, hat das Barcamp ausführlicher und mit wesentlich mehr Fotos dokumentiert. Interessant fand ich bei ihm vor allem den Gedanken der Live-Begleitung einer solchen Veranstaltung. Denn damit bin ich wieder bei der Plattformfrage.

Meine bisher eher überschaubare Content-Strategie auf fnordon passte für mich diesmal noch nicht so recht zu einer Live-Berichterstattung vom Barcamp. Aber ein bisschen von diesem alten „Was passiert gerade im Raum nebenan?“-Gefühl würde ich beim nächsten Mal gerne wieder ins Fediverse mitnehmen.

Und vielleicht wäre das sogar die Idee für meine eigene Session: Wo ist unser digitales Lagerfeuer?