Heute Abend ist wieder einmal ein Theaterabend im Rahmen unseres Abonnements angesagt. Es stehen Friedrich Schillers „Die Räuber“ auf dem Programm. Das Stück ist mir bekannt, ich habe es in der Schule durchgenommen und auch schon mal in einer „Playmobil-Inszenierung“ im Theater Rampe in Stuttgart gesehen. Die Version des Staatstheaters Nürnberg dürfte dennoch etwas anderes sein. Doch nun zu etwas anderem:
Durch Schmökern im Programmheft zum heutigen Abend bin ich über den Namen Herzog Carl Eugen von Württemberg gestolpert und sogleich ein wenig in einem „Rabbit Hole“ württembergischer Geschichte versunken. Denn laut dem Wikipedia-Artikel zum Herzog war dessen erste Amtshandlung, „den Leichnam von Joseph Süß Oppenheimer abhängen und verscharren“ zu lassen, „der nach seiner Hinrichtung 1738 zur Abschreckung sechs Jahre lang in einem eisernen Käfig verblieben war“. Der Name war mir zwar geläufig, aber nur im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Propagandafilm „Jud Süß“ aus dem Jahr 1940. Mit der (württembergischen) Geschichte dahinter habe ich mich ehrlicherweise nie befasst – und im Geschichtsunterricht an der Realschule oder auch später in den drei Jahren am Wirtschaftsgymnasium wurde das nicht thematisiert.
„Joseph Süß Oppenheimer war im frühen 18. Jahrhundert Finanzberater und enger Vertrauter des württembergischen Herzogs Karl Alexander. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Modernisierung der Finanzverwaltung, machte sich aber wohl durch seine Machtstellung und unpopuläre Maßnahmen auch viele Feinde. Nach dem plötzlichen Tod des Herzogs 1737 wurde Oppenheimer verhaftet und in einem politisch aufgeladenen Verfahren angeklagt. Die Vorwürfe – von Korruption bis hin zu moralischen Vergehen – waren teils konstruiert oder stark überzeichnet und spiegeln auch den damaligen Antisemitismus wider. 1738 wurde er schließlich hingerichtet; sein Leichnam wurde (sechs Jahre lang!) öffentlich zur Schau gestellt. Seine Geschichte ist damit nicht nur ein Beispiel für höfische Machtpolitik, sondern auch für die Mechanismen von Sündenbock-Erzählungen und die Instrumentalisierung von Justiz bis hin zum Justizmord.“ (Diesen Absatz hab ich mir in weiten Teilen von einer KI schreiben lassen)
Nun, hinausgekrabbelt aus dem württembergischen Rabbit Hole und zurück zum heutigen Theaterabend. Der Bezug ist ja da – auch in „Die Räuber“ geht es um Männer mit Macht und – so das Programmheft – um Zerstörung und Selbstzerstörung im Patriarchat. In der Nürnberger Inszenierung werden übrigens so gut wie alle Männerrollen von Frauen dargestellt. Ich bin gespannt auf die Vorstellung – und darauf, ob sich noch ein historischer Schatten aus dem 18. Jahrhundert auf die Bühne schleicht.
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