Ein paar Gedanken zur Veggie-Day-Hysterie

Ich habe mich schon sehr gewundert über den Aufschei, der am Montag durchs Web rauschte. Es ging um eine Idee aus dem Wahlprogramm der Grünen, öffentlichen Kantinen einen fleischlosen Tag pro Woche (den „Veggie Day“) vorzuschlagen. Das Wahlprogramm selbst wurde schon vor drei Monaten aufgestellt, die Idee an sich kursiert auch bei den Grünen schon viel länger. Einen aktuellen Nachrichtenzusammenhang konnte ich also erstmal nicht ausmachen. Am Montag war aber plötzlich auf Bild.de zu lesen:“POLITIKER FORDERN VEGETARIER-TAG IN DER KANTINE  – Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!“ Auf eine Verlinkung dieses Mülls verzichte ich gewohnheitsgemäß.  

Überraschend (in gewissen Maßen) ist ja erst einmal, das aus dem Vorschlag der Grünen sogleich ein Fleischverbot wurde. Und mit Verboten haben ja viele Leute so ihr Problem, ganz zu recht, wie ich meine. Aber das mit dem Fleischverbot hat sich die „Redaktion“ der BILD ja wohl eher ausgedacht. Die „Veggie-Day-Hysterie“ scheint eine gesteuerte Kampagne zu sein. Natürlich erfahren wir nicht, wer dahinter steckt. Aber die fleischproduzierende Industrie und auch die Futtermittelindustrie sind Wachstumsbranchen. Seit den Siebziger Jahren hat sich die Produktion von Fleisch weltweit verdreifacht. Im selben Zeitraum hat sich die Weltbevölkerung allerdings „nur“ verdoppelt.

Die Springer-Presse fährt also wieder einmal die Krallen aus, und dennoch überrascht mich die Hysterie vieler Zeitgenossen, die Angst um ihren Fleischkonsum haben, als ob sie Drogenabhängige wären, denen man den Stoff wegnehmen möchte. Klar, niemand möchte, dass sich Parteien in sein Essverhalten einmischen, aber auf der anderen Seite sollte ja wohl auch jedem Kantinenwirt vorbehalten sein, was er den Menschen anbietet. Wenn er sich also einer Kampagne zu einem fleischlosen Tag in seiner Kantine anschließen möchte, um unter anderem auf die Auswirkungen der Massentierhaltung aufmerksam zu machen, sollte er das doch auch dürfen. 

Ich bin jedenfalls der Meinung, dass es kein Grundrecht auf Fleisch gibt (schon gar nicht drei mal täglich) und dass wir in Anbetracht der weltweiten Ernährungslage und den Auswirkungen der Massentierhaltung die Ausmaße des Fleischkonsums auf jeden Fall überdenken müssen. Das geht vermutlich jeden einzelnen Fleischesser an und auch die Politik muss hier dringend (ja, es ist ein dringendes Problem!) ein neues Bewusstsein schaffen. Es gibt so viele Argumente kein oder weniger Fleisch zu essen und so wenige für den Fleischverzehr. Insofern sehe ich, ohne hier Wahlkampf für die Grünen machen zu wollen, deren Vorschlag als durchaus begrüßenswert an, im Gegensatz zu so manch anderem Blogger, wie z. B. Roberto Delapuente, auf dessen Diskussionsbeitrag ich dennoch verweisen möchte.

Mein persönliches Verhältnis zum Fleischverzehr aktualisiert sich derzeit auch wieder einmal – doch dazu schreibe ich ein einem anderen Beitrag.

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