Wer hat das Elektroauto umgebracht?

„Who killed the electric car“ ist ein erschütternder Film. Erschütternd weil er zeigt wie die Interessen von Big Oil und der Autoindustrie, gepaart mit einer beeinflussbaren Politik und ignoranten Konsumenten über eine gute Idee und ihre Umsetzung obsiegen.

Auch bei uns gleicht ja das Bild, das der Individualverkehr abgibt, eher einem Trauerspiel. Wir schreiben das Jahr 2007, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, und noch immer ist die Dominanz, die der PKW mit Verbrennungsmotor gegenüber anderen Konzepten hat, überwältigend. Praktische Kritik daran wird – vor allem hier im Südwesten – gerne mal als Landesverrat beschimpft, die Automobilindustrie scheint eine riesige Zukunfschance zu verschlafen, bringt immer neue, auch größere und schnellere Fahrzeuge auf den Markt. Auch „die Konsumenten“ fahren lieber riesige platz- und ressourcenfressende SUVs statt verbraucharmer Kleinwagen, die den Bedürfnissen und Verhältnissen angemessen wären. Doch gerade hier sehe ich ein großes Problem: der „Individualverkehr“ ist kein Ort zum Ausleben individueller Freiheit, denn man bewegt sich hier zu so gut wie keinem Zeitpunkt alleine, sondern immer in der Masse der anderen Verkehrsteilnehmer. Genau dies scheint allerdings die Einstellung vieler Menschen zum Auto zu sein, gerade auch, weil ihnen die Automobilkonzerne über Werbung und Modellpalette Individualität, Abenteuer und Freiheit vorgaukeln.

Vielversprechende Ansätze für Alternativen gibt es ja durchaus, so hätten zum Beispiel so genannte Plug-In Hybrids das Potential gleich mehrere Probleme zu lösen: für den Stadt- und Pendelverkehr emissionsfreie Fortbewegungsmittel, die in großer Anzahl parkend (und das ist bei den meisten Autos meistens der Fall) sogar noch als Energiespeicher für dezentrale Solarkraftwerke dienen könnten.

„Who killed the electric car“ zeigt uns aber auch, dass es geht, wenn die Politik nur möchte: das no-emission_Gesetz in Kalifornien hätte funktionieren können, wenn die Staatsvertreter der Öl- und Automobilindustrie gegenüber standhaft geblieben werden. Auch bei uns muss wohl erst die Politik den Automobilherstellern den Weg weisen – doch zur Zeit scheint dies eher andersrum zu funktionieren. Von Politikern, die die Kernenergie noch immer als Zukunftstechnologie sehen, ist wohl auch im Bezug auf den Individualverkehr nicht viel zu erwarten.

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4 Kommentare

  1. Hallo!
    Schön immer wieder gleichgesinnte Leute im Web zu finden, kann mich deinen Aussagen nur anschliessen. Der Film ist sehenswert und sollte zur Aufklärungsarbeit mehr Verbreitung finden. Der aktuell anhaltende Umweltdruck zwingt nun auch die deutsche Automobilindustrie bzgl. alternativen Antriebstechniken zum Handeln, es braucht jetzt einfach noch etwas Geduld, da es bei den deutschen Autobauern wenn es um Umweltschutz geht meistens etwas länger dauert.
    Gruss
    Markus

  2. Die Alternative zum Auto: Die Bahn

    Auf vielen Strecken elektrisch betrieben, per Oberleitung.

    Leider wollen unsere Volksvertreter die Bahn an die Börse bringen,
    weshalb zu befürchten ist, daß weitere Strecken stillgelegt werden
    und die Fahrpreise sich weiter erhöhen.

    Hermann Scheer schrieb in seinem Memorandum
    „Die Bahn: Zukunftsinvestment aller Bürger“:
    Es ist ein Gebot der volkswirtschaftlichen Vernunft, denjenigen Verkehrsträger zu fördern und zu stärken, der die wenigsten unerwünschten Schäden und damit Zusatzkosten verursacht – und das ist mit weitem Abstand die Bahn.

    Erkunden Sie doch mal spielerisch die zu erwartenden Folgen der Bahnprivatisierung mit BAHNOPOLY:
    http://www.campact.de/bahn/opoly/start

    P.S.:
    Für den Individualverkehr in einer Stadt sind Elektroautos
    sicherlich eine Alternative zum Auto mit herkömmlichem Antrieb,
    wegen der fehlenden Abgase.
    Man sollte sich aber auch auf das Fahrrad besinnen
    und bei einem dichten Netz öffentlicher Nahverkehrsmittel
    ist die Fortbewegung nahezu individuell.

  3. Schon richtig. Das Auto sollte nicht Verkehrsmittel Nummer 1 sein. Ich persönlich bin meist zu Fuß, mit dem Fahrrad und der Bahn unterwegs. Das Auto kommt nur selten aus der Garage.

    Was für mich eine Lösung ist, funktioniert aber für viele Menschen nicht, oder nur unter großen Opfern, denn Suburbia ist auch bei uns leider Realität und wird sich nicht von heute auf morgen wieder abschaffen lassen. Die Automobilindustrie hat in gehörigem Maße von dieser Entwicklung profitiert, und darf meiner Meinung nach nun ruhig auch einmal in die Schuld genommen werden.

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